BAD: Bürgeraktion Dietzenbach (B.A.D.)
FAQ - Häufig gestellte Fragen zum Thema "Flugroutenverlagerung"
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Noch Fragen offen? Fehlen Informationen? Schauen Sie hier! Auf dieser Seite haben wir einige typische Fragen zum Thema "Fluglärmentlastungskonzept Raunheim" zusammengestellt und versucht, diese kurz zu beantworten. Wenn detailliertere Informationen vorhanden sind, wird auf die entsprechenden Beiträge verwiesen.


 


FER? Jühe-Konzept? Konzept der Fluglärmkommission? EU-Projekt? Wie hängt das alles zusammen?

Als "Jühe-Konzept" bezeichnen wir die Idee des Raunheimer Bürgermeisters und Vorsitzenden der Fluglärmkommission, durch eine Kombination aus Optimierungsmaßnahmen und einer breiteren Verteilung des Lärms stark durch Fluglärm betroffene Städte zu entlasten - vor allem natürlich Raunheim - und den Plan zur Durchsetzung dieser Idee.

Das "Fluglärmentlastungskonzept Raunheim", bei uns auch Raunheimer Pläne genannt, sind die 5 von Raunheim eingebrachten Vorschläge zur Entlastung der Stadt Raunheim. Zwei davon sind flugtechnischer Natur, die anderen drei beinhalten neue Flugrouten und eine andere Nutzung bestehender Flugrouten und haben damit eine Umverteilung des Fluglärms in der Region zur Folge. Diese Vorschläge wurden als kommunale Vorschläge in die Fluglärmkommission eingebracht.

Aus dem "Fluglärmentlastungskonzept Raunheim" und den Vorschlägen anderer Kommunen soll in der Fluglärmkommission ein Gesamtkonzept gebastelt werden, das dann als "Fluglärmentlastungskonzept für die Region" umgesetzt werde soll (wenn die Kommission sich darauf einigen kann). Dieses Konzept ist in Arbeit und noch nicht beschlossen, wie es konkret aussehen wird, wissen wir daher noch nicht. Es besteht aber kein Zweifel daran, dass die Raunheimer Vorschläge den Kernpunkt des Gesamtkonzepts bilden würden - dafür wird Jühe als Vorsitzender der Kommission schon sorgen.

Bei dem "EU-Projekt" handelt es sich um ein Projekt, dass der Planungsverband Rhein-Main gemeinsam mit Partnern von anderen europäischen Flughafen-Regionen durchführen will und für das Geld aus einem EU-Programm beantragt werden soll. Im Projekt sollen Vorschläge zur Fluglärmminderung gesammelt und bewertet, Bwertungsmaßstäbe für die Verteilung von Fluglärm erarbeitet und Konzepte zur Durchsetzung solcher Maßnahmen erarbeitet werden, hierbei soll mit dem Regionalen Dialogforum (RDF) und der Fluglärmkommission zusammengearbeitet werden. Es handelt sich hier nicht um ein Forschungsprojekt unabhängiger Wissenschaftler, sonder eher um ein Gutachten im Auftrag der beteiligten Parteien. Praktisch sollen hier die Arbeiten für die Umsetzung des Jühe-Konzeptes gemacht werden, die in der Fluglärmkommission wegen des Zeitaufwandes und des Konfliktpotentials weniger gut durchzuführen sind.

Eine neue Flugroute über meinem Kopf - muss ich mir das gefallen lassen?

Wenn die Flugroute erst einmal beschlossen oder gar in Betrieb ist: ja! Die Festlegung von Flugrouten erfolgt durch das Luftfahrtbundesamt nach den Vorschlägen der Flugsicherung (DFS). Diese Festlegung ist eine "Bundesrechtliche Verordnung", gegen die Bürger nur sehr wenig Rechte haben. Eine aktive Mitwirkung der Betroffenen bei der Festlegung (z.B. durch Planfeststellungs-Verfahren) ist nicht vorgesehen. Die "luftverkehrstechnischen" Anforderungen ("Sicherheit und Flüssigkeit des Verkehrs") gelten als öffentliches Interesse und werden bei einer Abwägung viel höher gewichtet als die Lärmbelastung bei den Betroffenen.

Solange es nicht um gesundheitsgefährdenden Lärm geht, muss die DFS noch nicht einmal das lärmärmste Verfahren anwenden. Klagen gegen Flugrouten haben so gut wie keine Chance. Das einzige in bessere Richtung weisende Urteil, das TABUM-Urteil des VGH Kassel, bei dem die Flugroute wegen grober Abwägungsfehler der DFS für rechtswidrig erklärt worden war, wurde kürzlich vom Bundesverwaltungsgericht kassiert. Nur wenn der Fluglärm "Unzumutbar" wäre, hätte eine Klage vielleicht eine Chance, aber unzumutbar ist er nach Ansicht des Gerichts am Frankfurter Flughafen nirgendwo.

Fazit: Wenn die Flugroute erst einmal da ist, haben Sie ganz schlechte Karten. Deshalb: wehren Sie sich besser rechtzeitig!

Kann man die Startbahn West einfach als Landebahn nutzen?

Nein. Im Planfeststellungsbeschluss für die Startbahn West ist diese als Startbahn festgeschrieben. Für eine "Landebahn West" ist ein neues Planfeststellungsverfahren notwendig. Wenn aber erst einmal ein politischer Konsens über eine solche Änderung herrscht, ist ein entsprechender Planfeststellungsbeschluss sehr wahrscheinlich.

Kann eine Flugroute einfach viel stärker genutzt werden als vorher?

Leider ja. Ist die Route erst einmal genehmigt, kann sie im Prinzip beliebig genutzt werden, bis zur Kapazitätsgrenze oder bis der Lärm die Grenzwerte des Fluglärmgesetzes überschreitet. Erneute Genehmigungen sind nicht nötig. Einfache Steigerung des Verkehrs geht einfach automatisch, Verlagerungen von Verkehr wird die DFS wahrscheinlich nur mit Zustimmung der Fluglärmkommission vornehmen.

Wie sind die Realisierungsmöglichkeiten für die Raunheimer Vorschläge einzuschätzen?"

Eine genauere Beurteilung ist ohne detaillierte Fachkenntnisse schwierig, deshalb versuchen wir nur eine grobe Abschätzung. Manches, was heute unmöglich aussieht, ist morgen schon machbar, wenn der Wille dazu da ist!:

  1. Versetzte Landeschwelle:
    Sollte technisch machbar und auch durchsetzbar sein, selbst wenn Fraport nicht dafür ist. Angeblich wurde dieses Verfahren (Stichwort HALS/DTOP) sogar schon einmal getestet - als kapazitätssteigernde Maßnahme.
  2. Erhöhung des Anfluggleitwinkels:
    Chancen weniger gut. Möglicherweise technische und/oder Kapazitätsprobleme und Widersprüche zu internationalen Vorschriften. DFS und Lufthansa (Piloten) sind auf jeden Fall dagegen.
  3. Erhöhung der Rückenwindkomponente:
    Widerstand von Piloten (Sicherheitsbedenken) und politischer Widerstand der Betroffenen wahrscheinlich groß, direkter Interessenkonflikt zwischen Offenbach und Raunheim. Es könnte aber erreicht werden, dass die Rückenwindkomponente wenigstens korrekt eingehalten wird.
  4. Landen auf Startbahn West:
    Technisch möglich, zumindest in den schwächer ausgelasteten Zeiten. Die Abwicklung aller Starts in Richtung Osten ist zu jeder Zeit möglich (kommt gelegentlich vor). "Eine politische Frage"!
  5. Curved Approach (gekrümmter oder versetzter Landeanflug):
    Wird sehr bald technisch möglich sein. Verfahren wird derzeit in Zürich evaluiert ("gekröpfter Nordanflug"), Planungshorizont dort: 5-7 Jahre.

Wird die DFS die Raunheimer Pläne nicht verhindern? /

Die DFS wird bestimmt nicht begeistert sein, ihr sorgfältig ausgetüfteltes Flugroutensystem über den Haufen zu werden und ein neues System zu konstruieren. Wenn es technisch machbar ist (und keine Kapazität kostet) wird sie es aber trotzdem tun, wenn auch nicht gern. In letzter Zeit wurden schon einige andere Flugrouten geändert. Solange Sicherheit und ausreichende Kapazität gewährleistet sind und die Fluglotsen die Arbeit schaffen, ist es der DFS egal, wo die Flugrouten sind. An maßgeblichen Stellen der DFS gibt es sogar Sympathie für das Jühe-Konzept: Wenn nämlich "die Region selbst" statt der DFS die Flugrouten und damit die Lärmverteilung festlegt, bekommt die DFS nicht die Prügel ab wie jetzt. Neue Flugverfahren könnten dagegen eher von der DFS blockiert werden.

Fraport-Vertreter haben sich gegen die Raunheimer Vorschläge ausgesprochen. Damit sind die doch vom Tisch?

Für Fraport bedeuten die Raunheimer Vorschläge Arbeit, Ärger (z.B. durch Planverfahren) und nicht zu vernachlässigende Kosten. Deshalb wird Fraport erst einmal gegen die Pläne sein. Diese Hindernisse sind jedoch nicht unüberwindlich. Solange die Kapazität stimmt, ist es Fraport egal, wo die Flugrouten sind. Eine breite Streuung des Fluglärms dürfte Fraport sogar entgegenkommen, weil es dann weniger Bereiche gibt, in denen die Grenzwerte überschritten sind und Schallschutzmaßnahmen bezahlt werden müssen.

Wird das zuständige Ministerium eine Lärm-Umverteilung zulassen?

Warum sollte das Ministerium etwas dagegen haben? Aus den Antworten auf entsprechende Schreiben an das Ministerium ist klar ersichtlich: solange sich Fraport und Lufthansa sich von den Änderungen nicht wesentlich gestört fühlen, ist es der Landesregierung egal, wo die Flugrouten sind. Im Gegenteil: wenn man Städte, die jetzt stark belastet sind (und sich entsprechend heftig beschweren), etwas entlastet, kann man dort die Kritiker beruhigen, von den Verlierern der Umverteilung erwartet man keinen entsprechenden Widerstand. Bilanz für das Ministerium: positiv!

Hat das Fluglärmentlastungskonzept Raunheim auch positive Elemente?

Ja. Zwei von den fünf Vorschlägen (versetzte Landeschwelle, steilerer Anflug) haben im Prinzip eine Entlastungswirkung für alle Anwohner des Flughafens und sind daher positiv. Die drei anderen Vorschläge, z.B. die Idee "Landebahn West", bewirken eine Entlastung Raunheims durch Umverteilung des Lärms in der Region, von der besonders der Kreis Offenbach betroffen wäre. Diese Pläne lehnen wir ab.
Das Jühe-Gesamtkonzept hat primär die Entlastung von Raunheim durch Umsetzung der Raunheimer Pläne zum Ziel, auch wenn es als Entlastungskonzept für die Region verkauft wird. Solange diese für uns negativen Pläne im Gesamtkonzept enthalten sind, kann das Gesamtkonzept auch nur negativ bewertet werden. Schade eigentlich - die Idee, die gesamte Fluglärmsituation zu analysieren und Verbesserungen anzupacken, die allen nützen, ist nämlich im Prinzip gut.

Ist es nicht gut, wenn sich jemand für die Bürger mit Fraport und DFS anlegt?

Das ist im Prinzip sehr gut. Die DFS hat die Interessen der lärmgeplagten Bevölkerung lange genug nicht ernst genommen. Doch die meisten Raunheimer Ideen haben eine Umverteilung des Lärms zum Ziel. Sie richten sich in der Praxis nicht gegen DFS und Fraport, sondern gegen die von der Umverteilung negativ betroffenen BürgerInnen!

Wie entscheidet die Fluglärmkommission über Vorschläge, z.B. die Änderung einer Flugroute?

Dafür gibt ein ein 10-Schritte-Programm. Zunächst werden die Alternativen zusammengestellt und die erfolgversprechendsten ausgesucht. Falls die Änderung von externen Stellen vorgeschlagen wurde (z.B. bei Tabum-Route die Kläger), werden diese zur Begründung ihrer Vorschläge angehört. Im nächsten Schritt werden für die verbleibenden Vorschläge Lärmberechnungen durchgeführt und die Zahl der "Belästigten" wird ermittelt (nach einer Formel, siehe auch hier). Die davon betroffenen Kommunen werden dann gefragt, was sie dazu zu sagen haben (Anhörung oder schriftliche Stellungnahme), sie werden aber zur Verschwiegenheit verpflichtet. Danach trifft die Kommission die Entscheidung, wo die Flugroute künftig verlaufen soll. Ist die Entscheidung gefallen, werden die betroffenen Kommunen benachrichtigt, dürfen aber immer noch nichts sagen. Erst ganz zum Schluss wird die Öffentlichkeit informiert - durch eine Pressemitteilung. Wenn sich die betroffenen Bürgerinnen und Bürger jetzt wehren wollen, ist es zu spät! Das haben die "Verlierer" bei der Tabum-Verlegung schon schmerzlich gemerkt.
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Was ist denn an der "Neuen Methodik" der Fluglärmkommission so Besonderes?

Für sich betrachtet, ist Jühes neue Methodik gar nichts Besonderes, Das 10-Schritte-Programm beschreibt einfach eine Möglichkeit für ein einigermaßen strukturiertes und systematisches Vorgehen, um zu einer Entscheidung zu kommen - was eigentlich selbstverständlich sein sollte. Vielleicht ist das ein wirklich ein Fortschritt, wir wissen ja nicht, wie es früher in der Kommission zuging. Neu gegenüber früher ist, dass die betroffenen Kommunen (aber nicht die Bürger!) wenigstens angehört werden, was schon besser ist als gar nichts. Im weiteren Verfahren und an der Entscheidung sind sie aber nicht beteiligt, wenn sie nicht in der Kommission vertreten sind: die Gefahr, dass Unbeteiligte über den Tisch gezogen werden, ist nach wie vor groß. Transparent ist das Verfahren entgegen Jühes Behauptungen auch nicht, sondern immer noch weitgehend geheim. Bei der Tabum-Entscheidung wurden nicht einmal im Nachhinein alle Alternativen, Fakten und Begründungen veröffentlicht. Jühe hält seine Methodik für ein "Vorbild für andere europäische Flughäfen" . Wir meinen: da fehlt noch einiges!

Werden die Bürger bei einer so wichtigen Entscheidung beteiligt?

Vorgesehen ist das nicht. Nach den Erfahrungen im "Tabum-Verfahren" besteht die "Mitwirkung" der Bürger bei der Entscheidung der Fluglärmkommission darin, dass die Bürgermeister der betroffenen Städte zum Thema angehört werden, also ihre Meinung sagen oder eine Stellungnahme einreichen dürfen. Eine Gesamtübersicht über das, was genau gespielt wird, bekommen sie nicht, und sie dürfen den Bürgern auch nichts erzählen. Erst wenn die Entscheidung in der Kommission gefallen ist, dürften die Ergebnisse veröffentlicht werden. Parallel oder danach ist auch eine Debatte im Regionalen Dialogforum und z.B. im Planungsverband vorgesehen. Auch in diesen Institutionen ist die Öffentlichkeit nicht beteiligt. Nur im Fall Landebahn West, wo es ein Planfeststellungsverfahren geben würde, würden die Betroffenen selbst angehört werden.
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Nach Herrn Jühes Aussage soll seine neue Methodik "das Optimum für alle" bringen. Wie soll das funktionieren?

Es funktioniert gar nicht! Das Konzept hat eine Umverteilung des Lärms zum Ziel, um stark belastete Städte (vor allem Raunheim) zu entlasten. Der Lärm, der von den stark belasteten Städten weggenommen wird, löst sich nicht auf, sondern kommt wo anders hin, und dort verschlechtert sich die Lage. Bei einer Umverteilung gibt es immer Gewinner und Verlierer, eine optimale Lösung für jeden ist da nicht möglich. Und dass eine "gerechte Verteilung" des Lärms für die Region das Optimum wäre, ist höchst umstritten!

In der Zeitung stand Jühe-Aussage, durch die Pläne würden nur 10000 Menschen geringfügig mehr belastet?

Glauben sie nicht alles, was gedruckt wird! Es haben in dieser Sache schon viele Zahlen in der Zeitung gestanden. Als gelernter Marketingspezialist verkauft Jühe sein Produkt "Fluglärmentlastungskonzept" perfekt, dadurch entsteht auch in der Presse mancher falsche Eindruck. So schrieb ein Journalist nach einen Jühe-Vortrag voller Überzeugung, die einzigen, die durch die Idee "Landebahn West" mehr belastet würden, seien 400 Einwohner von Klein-Gerau!
n der Tabelle mit den Zahlen entlasteter oder belasteter Einwohner aus der offiziellen Jühe-Präsentation (Tabelle Entlastung/Belastung), von www.raunheim.de) ist von etwa 44000 mehr Belasteten die Rede, wobei man diese Zahl als untere Grenze und nicht für bare Münze nehmen sollte. Und von "geringfügig mehr belastet" kann keine Rede sein, es sei denn, man hält alles für geringfügig, was nicht so schlimm ist wie in Raunheim. Schließlich bedeutet eine Erhöhung von 3 dB(A) bedeutet eine Verdoppelung der Lärmereignisse.

Herr Jühe sagt, sein Konzept beinhalte keine simple Umverteilung nach St. Florian. Was ist da dran?

Stimmt - es ist keine "simple" Umverteilung, bei der einfach der Lärm 1:1 von A nach B verschoben wird. Die Lärmpakete werden vielmehr auf komplexere Weise umgeschichtet, um im Endeffekt eine Entlastung hoch belasteter Städte und eine breitere Verteilung des Lärms zu erreichen. Beispiel: weniger Ostbetrieb verschiebt Lärm von Raunheim nach Offenbach. Durch den gekrümmten Landeanflug wandert Lärm von Offenbach nach Heusenstamm und Obertshausen. Ergebnis: Entlastung in Raunheim, in Offenbach keine Änderung, Mehrbelastung im Kreis Offenbach. Das nennt man "intelligente Lärmverteilung". St. Florian bleibt es trotzdem!

Herr Jühe behauptet, unsere Zahlen seien falsch. Was ist da dran?

Wir beziehen unsere Zahlen aus offiziellen Quellen, z.B. dem Fraport Fluglärmreport. Die dort genannten Zahlen halten wir für richtig. Wenn uns keine konkreten Daten vorliegen, versuchen wir zu schätzen und begründen wie wir dies tun. Lärmwerte und Flugzahlen hängen maßgeblich von den verwendeten Annahmen (Zeiträume, Zahl und Verteilung der Flüge, Berechnungsvorschriften) ab, ohne Kenntnis dieser Annahmen sind die Werte nutzlos. Im Gegensatz zu Herrn Jühe geben wir unsere Annahmen an!

Wenn Sie mit der Behauptung konfrontiert werden, die Zahlen seien falsch, fragen Sie Herrn Jühe ganz konkret nach den "richtigen" Zahlen und ihren Grundlagen.

Ich habe gehört, die Vorschläge wären noch weit von einer Realisierung entfernt. Muss man da jetzt schon etwas machen?

Die Diskussion der Pläne in der Fluglärmkommission ist bereits in vollem Gang und soll nach Meinung des Vorsitzenden Jühe bis zum Frühjahr nächsten Jahres abgeschlossen werden. Danach könnte es (mit Hilfe des EU-Projektes) an die genauere Konkretisierung der Maßnahmen gehen. Die Raunheimer Pläne wurden von Jühe bis jetzt schon sehr aktiv "verkauft", um Verbündete zu gewinnen, unter anderem im Regionalen Dialogforum, beim Planungsverband und beim zuständigen Ministerium. Es tut sich also schon eine ganze Menge. Wenn man bis zur endgültigen Abstimmung in der Kommission wartet, ist es längst zu spät. Es besteht also dringender Bedarf, jetzt und entschlossen zu handeln.

Soll der Kreis Offenbach erst das Gesamtergebnis abwarten, bevor man sich beschwert, wie Herr Jühe meint?

Die Raunheimer Ideen bedeuten eine massive Mehrbelastung für den Kreis Offenbach. Das ist schon jetzt ersichtlich und unabhängig davon, welche Vorschläge sonst noch gemacht werden. Wir sehen nicht, dass der Kreis Offenbach "Verhandlungsmasse" hätte, um diese Mehrbelastung im Rahmen eines Gesamtkonzepts mit anderen Maßnahmen zu kompensieren. Wenn die negative Wirkung einer Maßnahme schon jetzt klar ist, kann man sich auch schon jetzt dagegen wehren. Alles andere lenkt nur vom Problem ab.

Welchen Vorteil soll es bringen, alle Vorschläge im Gesamtzusammenhang zu betrachten?

Wenn man alle Flugrouten der gesamten Region betrachtet, kann man leichter "Fluglärmpäckchen" hin und her schieben. Zum Beispiel: Raunheim wird vonm Lande-Lärm entlastet, dafür wird aber die Startroute, die jetzt über die Ticona führt, näher an Raunheim herangelegt. Dadurch kann der Lärm besser gleichmäßig verteilt werden, einzelne unpopuläre Maßnahmen fallen weniger auf.

Die Städte im Kreis Offenbach hätten doch auch Vorschläge einreichen können?

Die in der Kommission nicht direkt vertretenen Städte wurden nicht explizit nach Vorschlägen gefragt und haben die Frist dazu gar nicht mitbekommen. Doch selbst wenn man sie rechtzeitig gefragt hätte, hätte es wenig geändert: Vorschläge, die den Lärm auf andere verlagern, liegen im Kreis nicht in der Schublade. Und nur solche Vorschläge könnten die Verhandlungsposition eventuell verbessern.

Dietzenbach ist weit weg von der Startbahn West. Betrifft uns das, wenn dort gelandet wird?

Die Landungen selbst betreffen uns zwar nicht. Die indirekten Folgen aber um so mehr: solange auf der Startbahn West gelandet wird, kann man dort nicht starten. Heute werden mehr als die Hälfte aller Starts (bis zu 400 pro Tag!) über die Startbahn West durchgeführt. Diese Starts müssen dann zusätzlich auf den Parallelbahnen in Richtung Osten - also über dem Kreis Offenbach - abgewickelt werden. Die meisten dieser Flugzeuge würden dann in Dietzenbach vorbeikommen (Route 07-S lang). Der Fluglärm von der Startbahn West wird so in den Kreis Offenbach verschoben. Siehe auch: Landebahn West Bedeutung für Dietzenbach)

Bei einer Landebahn West fällt doch der südliche Gegenanflug weg. Würde Dietzenbach dann nicht sogar profitieren?

Der Gegenanflug würde wegfallen, aber dafür würden viel mehr startende Flugzeuge Dietzenbach überfliegen. Startende Flugzeuge sind in Dietzenbach um ein vielfaches lauter als die Flugzeuge auf dem Gegen(lande)anflug. Das wäre ein ganz schlechter Tausch. Außerdem würde es für die Landebahn West neue Gegenanflüge geben, die wahrscheinlich nicht Dietzenbach, aber andere Städte im Kreis Offenbach treffen würden.

Es ist doch eine Ergänzungsflugroute umd Dietzenbach herum vorgesehen. Der zusätzliche Startverkehr betrifft uns dann ja nicht?

Die zusätzliche Startroute gehört nicht zum Kern der Raunheimer Pläne. Sie wird als "eine Möglichkeit" erwähnt, um die Mehrbelastung von Dietzenbach in Grenzen zu halten. Dass sie realisiert wird, ist keineswegs sicher. Flugtechnische Gründe könnten ebenso dagegen sprechen wie der Widerstand der dann von dieser zusätzlichen Route neu betroffenen Gemeinden.
Wenn die neue Route käme, würde der zusätzliche Flugverkehr aber natürlich nicht ganz auf diese neue Route verlegt, sondern auf die alte (07-S lang) und die neue Route aufgeteilt. Die Mehrbelastung von Dietzenbach würde dann zwar geringer ausfallen. Von "betrifft uns nicht" könnte aber nicht die Rede sein. Es wäre immer noch zu viel!

Wir haben jetzt 45-50 Dezibel Fluglärm. 4 Dezibel mehr sind doch nur 10% mehr Lärm, das stört doch nicht?

Vorsicht Falle! Das "Dezibel" ist nicht linear. 3 dB mehr bedeuten eine Verdopplung des Lärms, 4 dB entsprechen zweieinhalb mal mehr Lärm. 10 dB heisst 10 mal so viel Lärm!
Außerdem können wir nicht nachvollziehen, wie die 4 dB(A) oder 3 db(A) Mehrbelastung für Dietzenbach zustande kommen. Im schlimmsten Fall müssen wir mit 10 mal mehr Flugbewegungen rechnen als jetzt!

Gibt es noch weitere Vorschläge, die für Dietzenbach und den Kreis Offenbach mehr Fluglärm bedeuten könnten?

Haupt-Gefahrenpunkt für Dietzenbach ist die stärkere Nutzung der Startroute "07-S lang", die theoretisch am Westrand der Stadt entlang, praktisch leider oftmals darüber führt. Bei Heusenstamm gilt das auch für die Flugroute 07-Ost, die am nördlichen Rand der Stadt verläuft.
So könnte etwa Frankfurt auf die Idee kommen, Flüge von den Nord-Abflugrouten, die Frankfurt belasten, auf die Dietzenbacher Route oder auch auf die Route 07-Ost verlegen zu wollen (ob das flugtechnisch Sinn macht, sei dahingestellt). St. Florian ist in Frankfurt bekanntlich nicht unbekannt.
In Darmstadt könnte man auf die Idee kommen, die Startbahn West weniger zu nutzen und statt dessen mehr in Richtung Osten zu starten. Der Darmstädter OB Benz hat sich erst kürzlich wieder dafür ausgesprochen, den Flughafen mit einer Südbahn auszubauen und die Startbahn West zu schließen, weil Darmstadt dann keinen Fluglärm mehr hätte.
Eine weitere Forderung könnte sein, den 2001 eingeführten nördlichen Gegenanflug bei Ostwind wieder abzuschaffen und alle Gegenanflüge in den Süden zu legen. Dies wurde aber bisher nur vereinzelt in privaten Gesprächen geäußert.

Unsere Chancen stehen offenbar schlecht. Hat es überhaupt Sinn, sich zu wehren?

Die Situation mag finster aussehen, aber sie lässt sich verbessern: Gefahr erkannt, Gefahr nicht gebannt, aber verkleinert. Jühe selbst bezeichnet sein Vorhaben als "sehr ambitioniert". Das heißt, er ist sich durchaus über die Schwierigkeiten im Klaren und weiss, dass die Sache auch schiefgehen kann. Gegen eine "Demokratisierung des Lärms" und die Absichten, den Fluglärm in den Kreis Offenbach zu verschieben, muss energischer Widerstand geleistet werden, sowohl von der Politik als auch von den Bürgern. Ein erster Schritt ist, eine breite öffentliche Diskussion anzustoßen. Wenn Sie die Informationen bis hierher verfolgt haben, sind Sie dafür gut vorbereitet.Und sonst gilt, wie überall: wer kämpft, kann verlieren. Wer nichts tut, hat schon verloren!

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