Fluglärmentlastungskonzept Raunheim - die technischen Pläne
Welche Vorschläge stecken im Paket?
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Übersicht

Das "Fluglärmentlastungskonzept Raunheim (FER)" enthält 5 Komponenten (sog. Stellschrauben), mit denen der Fluglärm in Raunheim verringert werden kann.

  1. Versetzte Landeschwelle
  2. Erhöhung des Anfluggleitwinkels
  3. Erhöhung der Rückenwindkomponente
  4. Landen auf Startbahn West
  5. "Curved Approach" (Gekrümmter Landeanflug)

1. Versetzte Landeschwelle

  

Idee:
Die Flugzeuge setzen zur Landung etwas weiter "hinten" (1500 m) auf der Landebahn auf als jetzt. Die Landebahnen sind in Frankfurt komfortabel lang, es wird nicht die volle Länge gebraucht, um sicher landen zu können. Durch den veränderten Aufsetzpunkt werden die Orte in der Anflug-Grundlinie in etwas größerer Höhe überflogen (siehe Bild). Das Verfahren kann in beiden Betriebsrichtungen, also sowohl für Landungen von Osten als auch für Landungen von Westen, eingesetzt werden.

Versetzte Landeschwelle. Rote Linie: Neue Flugbahn, X = Lage von Raunheim

 

Wirkung:

Städte unter oder nahe der direkten Anflug-Grundlinie werden durch die größere Überflughöhe vom Fluglärm entlastet, das Bedrohungsempfinden beim direkten Überflug kann durch die größere Höhe vermindert werden. Niemand wird mehr durch Fluglärm belastet.

Am "Ende" der Landebahn könnte es eventuell mehr Bodenlärm geben.

 

2. Erhöhung des Anfluggleitwinkels

  

Idee:
Die Flugzeuge fliegen etwas "steiler" zur Landung an. Zur Zeit ist der Anflug-Gleitwinkel auf 3 Grad festgelegt. Er könnte zum Beispiel auf 3,2 Grad oder auch 3,5 Grad erhöht werden. Dadurch würden Städte unter der Anflug-Grundlinie in größerer Höhe überflogen. Die Maßnahme kann mit der versetzten Landeschwelle kombiniert werden und ist für beide Betriebsrichtungen anwendbar.

Erhöhung des Anfluggleitwinkels. Rote Linie: neue Flugbahn, X = Lage von Raunheim

 

Wirkung:

Städte unter oder nahe der direkten Anflug-Grundlinie werden durch die größere Überflughöhe vom Fluglärm entlastet, das Bedrohungsempfinden beim direkten Überflug kann durch die größere Höhe vermindert werden. Mehrbelastungen durch Fluglärm gibt es nicht.

 

3. Erhöhung der Rückenwindkomponente

  

Idee:
Die Betriebsrichtung für Starts und Landungen wird so gewählt, dass die Flugzeuge gegen den Wind starten bzw. landen: Bei Westwind (bei uns ca. 75% der Zeit) wird von Osten her gelandet und nach Westen gestartet (Betriebsrichtung 25). Bei Ostwind ist es umgekehrt (Betriebsrichtung 07). Zur Zeit wird die Betriebsrichtung gewechselt, wenn die Rückenwindkomponente mehr als 5 Knoten (ca. 9 km/Stunde) beträgt.

Mit "Erhöhung der Rückenwindkomponente" ist gemeint, dass erst bei stärkerem Rückenwind (z.B. 6 Knoten) von Betriebsrichtung West auf Betriebsrichtung Ost umgeschaltet wird. Im Klartext: Betriebsrichtung Ost, bei der Raunheim von landenden Flugzeugen niedrig überflogen wird, soll seltener benutzt werden.

 

Wirkung:

Raunheim - und alle anderen Kommunen, die hauptsächlich oder nur bei Ostwind vom Fluglärm betroffen sind - werden weniger überflogen und damit entlastet.

Weniger Ost-Betriebsrichtung bedeutet mehr West-Betriebsrichtung. Dadurch werden natürlich alle Städte, die bei Benutzung der West-Betriebsrichtung unter dem Fluglärm zu leiden haben, entsprechend mehr belastet. Und die freuen sich darüber gar nicht!
Es geht nicht nur darum, dass die Zahl der Landungen über Offenbach dann zunehmen würde, was offensichtlich ist. Auch die Menschen, die von den Startrouten in Richtung Westen betroffen sind, hätten noch öfter was vom Fluglärm. Leider St. Florian pur!

 

4. Landen auf Startbahn West bei Ostwind (Betriebsrichtung 07)

  

Idee:
Bei Ostwind (Betriebsrichtung 07) soll auf der Startbahn West gelandet werden (von Süden her) statt - wie jetzt - von Westen her auf den Parallelbahnen. Raunheim würde dann von den landenden Flugzeugen nicht mehr überflogen.

 

   
Heute: 60% aller Starts von Startbahn West     Morgen: ALLE Starts in Richtung Osten?

 

Wirkung:

In Raunheim gäbe es (bei Ostwind) gar keinen Fluglärm mehr. Andere in der Anflug-Grundlinie liegende Städte, wie Rüsselsheim und vor allem das südliche Mainz, würden ebenfalls den Fluglärm los.
Wer unterhalb der nach rechts und links von der Startbahn West abzweigenden Startrouten wohnt (z.B. in Vorirten von Darmstadt), würde auch entlastet.

Wenn auf der Startbahn West gelandet wird, kann man dort nicht starten: ALLE Starts (statt bisher knapp die Hälfte) müssten dann von den Parallelbahnen in Richtung Osten stattfinden. Der Fluglärm der Startbahn West würde so in den Kreis Offenbach verlagert. Zur Zeit wären das bis zu 400 zusätzliche Starts in Richtung Osten am Tag, davon etwa 50 in der Nacht (22-6 Uhr), Tendenz: steigend. Die zusätzlichen Starts würden zum größeren Teil auf der Flugroute 07-S lang, zum kleineren Teil auf der Flugroute 07-S kurz abgewickelt. Neu-Isenburg, Gravenbruch, Heusenstamm, Dietzenbach und Dreieich wären besonders betroffen.

Kommunen die direkt in der südlichen Verlängerung der Startbahn West liegen (z.B. Klein-Gerau, Büttelborn) würden alle Landungen abkriegen statt nur einen Teil der Starts und würden dadurch erheblich mehr belastet. Auch weiter im Süden sind deutliche Mehrbelastungen zu erwarten, z.B. durch neue Gegenanflüge.

 

5. "Curved Approach" (Gekrümmter Landeanflug)

  

Idee:
Bei Westwind (Betriebsrichtung 25) Zeit drehen die Flugzeuge zur Zeit östlich von Offenbach auf die gerade Anflug-Grundlinie ein und überfliegen dann Offenbach in gerader Linie. Mit dem "gekrümmten Landeanflug" ist gemeint, dass die Flugzeuge erst "hinter" Offenbach (also westlich davon, näher zum Flughafen) in einer Kurve auf die Anfluggerade eindrehen sollen. Wo genau, sagen die Jühe-Pläne bisher nicht. Deshalb haben wir uns als Flugroutenplaner betätigt - so könnte es aussehen:

Möglichkeiten für Curved Approach, Rote Linien: neue Flugbahnen.

 

Auf der nördlichen Seite der Anflugroute ist der gekrümmte Anflug praktisch nicht möglich, denn dort liegt Frankfurt.

Der gekrümmte Gegenanflug wurde erst relativ spät als konkreter Bestandteil in die Jühe-Pläne aufgenommen. Er könnte zwar theoretisch auf allen Anflugstrecken eingesetzt werden, ist aber praktisch als "Gegenleistung" für die Stadt Offenbach gedacht. Damit soll ein Ausgleich für die "erhöhte Rückenwindkomponente" geschaffen werden, die Offenbach mehr belasten würde.

Wirkung:


Teile von Offenbach würden entlastet, weil weniger Landeanflüge direkt über das Stadtgebiet führen.

Praktisch ganze Kreis Offenbach würde verlärmt. Keine Stadt wäre hier vor dem Fluglärm sicher. Denn es gäbe nicht nur die direkte Anflugroute, sondern auch die Eindrehbereiche und Warteschleifen ("Schweinehaken") - und die sind variabel und breit gestreut. Heusenstamm und Obertshausen wären am schlimmsten betroffen, Dietzenbach stark gefährdet. Auch der südliche Teil von Offenbach bekommt mehr Lärm ab. Besonders tückisch: bei der offiziellen Berechnung des Lärms gehen Warteschleifen, Gegenanflüge und Eindrehbereiche nicht ein!

Unsere Meinung: Der gekrümmte Landeanflug ist an sich eine gute Idee - wenn er über unbewohntes Land geführt werden kann! Wird der Lärm dagegen nur von einer Stadt in die andere verschoben, ist es eben nur St. Florian.

 

Noch mehr zu diesem Thema:

Themen hierzuAssciated topics:

Fluglärm-Entlastungskonzept Raunheim Flugroutenänderungen Überflughöhe Deutsche Flugsicherung (DFS) Flugrouten

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