Blick in die Welt
Vom Lächeln
<2003-06-23>
Ein Blick in die Ewigkeit:
Es ist nichts besonderes: Helmut Stühn, Sieglinde Remy, Achim Carius, Christoph Poweleit, Mehmet Ünal, Vanessa Schmidt, Jürgen Rudolph, Alexander Frank und 64 andere machen an diesem Samstag mit Passfoto Reklame für Fraport AG, Frankfurt.
Ein Blick aus der Zeitung auf den Zeitungsleser. Langweilig.
Was sagt mir das zupackende Lächeln namens Stühn? DGB? Was ist Frau Remy? Vorzimmer Carius oder er zu ihr? Es hat etwas von Sparkasse. Mehr brav als selbstbewusst schauen die Herren Poweleit und Ünal, der Bekanntere. Ob unsere Nachwuchskräfte Frau Schmidt und Herr Frank bei Herrn Rudolph seriöses lernen?
Hinter diesen Fotos die Bewohner einer Haftanstalt zu vermuten, das wäre zu grob. Für Angehörige einer therapeutischen Gruppe lächeln sie zu uniförmlich, wiewohl doch ein krawattenweiter Unterschied zu Scientologie oder Mun zu scheinen scheint.. Es ist da etwas Steifes von Aufzug nach oben und Dienstwagen.
Der Reklametext süßelt von unserer Heimatregion. Aber Herr Dr. Wagner oder Freiherr Truchseß kann ich mir kaum hinter meiner Forsythie vorstellen. Florian Gerster, ja den kenne ich aber vom Fernsehen, das bei mir nicht an die Tür klopft. Ob es unter diesen vielen Lächeln auch ein arbeitsloses gibt? Vielleicht Herr Pichler, da links unter Herrn Bauckhage, dem Freundlichen? Nein hier blickts eher wie Börse und Sparvertrag in die Ewigkeit.
Dem Text nach gehts um Ausbau der Zukunft. Ob andere Seriösitäten für das finanzschwache Gegenteil lächeln? Ich vermisse das Gesicht des bissigen Planers, des Bruders Obdachlos, der Kaufhausfrau, des abgehalfterten Zuhälters und der ungezügelten Domina, des aufschwebenden Heilpraktikers und der depressiven Sozialhilfesachbearbeiterin, all der Flüchtlinge, Reinigungs- und Küchenkräfte, des Bundespräsidenten und des Harald-hol-schon-mal-den-Wagen-Tappert, sowie das meine. All derer, die doch ebenso wie die ausgesuchten in die Welt Gucker für den Ausbau wie gegen ihn sein könnten.
Hier zeigt sich das Leben als Auswahl des Besten.-zumindest Handelsklasse B- den Underdogs. Diese wiederum gähnen und werfen die Zeitung in den Papierkorb oder falten sie auseinander, um sich damit zuzudecken. Fern allen Aus- oder Abbaus. Morgen gibt es neue Zeitung mit neuen Gesichtern.
Findet sich Dein Lächeln vielleicht schon dann in den zerbrochenen Gedichten einer Traueranzeige? Ohne Foto?-
Für mich ist das hier ein laues Spiel mit müden Gedanken und Papiergefühlen. Aber das Leben kümmert sich nicht um Lächeln und Lachen über Lächeln. Es heißt den Tod unter Fotografierten wie Gesichtslosen gleichermaßen umherzutappen. So lächle, Ausbau, vergesse, sei vergessen. So oder so: morgen heißt es: Abflug.
Ein Gesicht gezeigt, eine Chance genutzt, einer Aufdringlichkeit nachgegeben: Alle wichtigen und unwichtigen Gesichter und Hintern haben es längst vergessen in der ununterscheidbaren Gleichförmigkeit des Handelns. Auch ich lege dieses Blatt nun unwiderruflich zu den Vortageblättern. Du musst nun nicht mehr lächeln, ich nicht mehr vom Lächeln schreiben.Aus dem verlorenen Augenblick erklingt hell und süß die Stimme eines Vogels.
Klaus Wachowski 23.06.03
Es ist nichts besonderes: Helmut Stühn, Sieglinde Remy, Achim Carius, Christoph Poweleit, Mehmet Ünal, Vanessa Schmidt, Jürgen Rudolph, Alexander Frank und 64 andere machen an diesem Samstag mit Passfoto Reklame für Fraport AG, Frankfurt.
Ein Blick aus der Zeitung auf den Zeitungsleser. Langweilig.
Was sagt mir das zupackende Lächeln namens Stühn? DGB? Was ist Frau Remy? Vorzimmer Carius oder er zu ihr? Es hat etwas von Sparkasse. Mehr brav als selbstbewusst schauen die Herren Poweleit und Ünal, der Bekanntere. Ob unsere Nachwuchskräfte Frau Schmidt und Herr Frank bei Herrn Rudolph seriöses lernen?
Hinter diesen Fotos die Bewohner einer Haftanstalt zu vermuten, das wäre zu grob. Für Angehörige einer therapeutischen Gruppe lächeln sie zu uniförmlich, wiewohl doch ein krawattenweiter Unterschied zu Scientologie oder Mun zu scheinen scheint.. Es ist da etwas Steifes von Aufzug nach oben und Dienstwagen.
Der Reklametext süßelt von unserer Heimatregion. Aber Herr Dr. Wagner oder Freiherr Truchseß kann ich mir kaum hinter meiner Forsythie vorstellen. Florian Gerster, ja den kenne ich aber vom Fernsehen, das bei mir nicht an die Tür klopft. Ob es unter diesen vielen Lächeln auch ein arbeitsloses gibt? Vielleicht Herr Pichler, da links unter Herrn Bauckhage, dem Freundlichen? Nein hier blickts eher wie Börse und Sparvertrag in die Ewigkeit.
Dem Text nach gehts um Ausbau der Zukunft. Ob andere Seriösitäten für das finanzschwache Gegenteil lächeln? Ich vermisse das Gesicht des bissigen Planers, des Bruders Obdachlos, der Kaufhausfrau, des abgehalfterten Zuhälters und der ungezügelten Domina, des aufschwebenden Heilpraktikers und der depressiven Sozialhilfesachbearbeiterin, all der Flüchtlinge, Reinigungs- und Küchenkräfte, des Bundespräsidenten und des Harald-hol-schon-mal-den-Wagen-Tappert, sowie das meine. All derer, die doch ebenso wie die ausgesuchten in die Welt Gucker für den Ausbau wie gegen ihn sein könnten.
Hier zeigt sich das Leben als Auswahl des Besten.-zumindest Handelsklasse B- den Underdogs. Diese wiederum gähnen und werfen die Zeitung in den Papierkorb oder falten sie auseinander, um sich damit zuzudecken. Fern allen Aus- oder Abbaus. Morgen gibt es neue Zeitung mit neuen Gesichtern.
Findet sich Dein Lächeln vielleicht schon dann in den zerbrochenen Gedichten einer Traueranzeige? Ohne Foto?-
Für mich ist das hier ein laues Spiel mit müden Gedanken und Papiergefühlen. Aber das Leben kümmert sich nicht um Lächeln und Lachen über Lächeln. Es heißt den Tod unter Fotografierten wie Gesichtslosen gleichermaßen umherzutappen. So lächle, Ausbau, vergesse, sei vergessen. So oder so: morgen heißt es: Abflug.
Ein Gesicht gezeigt, eine Chance genutzt, einer Aufdringlichkeit nachgegeben: Alle wichtigen und unwichtigen Gesichter und Hintern haben es längst vergessen in der ununterscheidbaren Gleichförmigkeit des Handelns. Auch ich lege dieses Blatt nun unwiderruflich zu den Vortageblättern. Du musst nun nicht mehr lächeln, ich nicht mehr vom Lächeln schreiben.Aus dem verlorenen Augenblick erklingt hell und süß die Stimme eines Vogels.
Klaus Wachowski 23.06.03
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